„Was hast du grad gesagt?”

Über verschiedene Arten des Zuhörens

Das Zuhören ist eine der am meisten unterschätzten Fähigkeiten in der Kommunikation. Wer gut zuhört, beweist emotionale Intelligenz und Empathie. Im Alltagsleben wird jedoch nicht einheitlich zugehört. Neben dem „Weghörer” treffen wir in Gesprächen auf den selektiven Zuhörer, den bewertenden Zuhörer oder im Idealfall auf den empathischen Zuhörer. Nachfolgend schauen wir uns vier Arten Zuzuhören hier genauer an.

Wir passen nicht immer auf…

 

Eine weit verbreitete Art des Zuhörens lernen wir spätestens im Frontalunterricht an der Schule kennen. Vorn steht jemand, schreibt etwas an die Tafel und spricht dazu. Unsere Aufmerksamkeit gleitet zum Geschriebenen an der Tafel, zu unserem Banknachbarn und dessen Aufzeichnungen, von dort zur Uhr, dann zurück zur Tafel, um schließlich auf der Augenbraue des Sprechenden zu landen. Nicht viel anders geht es uns im 1:1-Gespräch. Entweder wir hören wir sehr genau hin (bei einer Gehaltsverhandlung, im wöchentlichen Zwiegespräch in der Partnerschaft) oder wir lassen unsere Gedanken frei schweifen.

Das generelle Problem bei Zuhören ist: Wir benötigen nur circa 50 Prozent unserer Aufmerksamkeit, um das Gesagte zu erfassen. Die restlichen 50 Prozent stehen uns zur freien Verfügung.

Aufmerksamkeit zahlt sich aus

Zuhören ist die effektivste Methode, Gespräche zu lenken und zu führen

Deshalb schauen wir uns vier Arten Zuzuhören hier genauer an. Je nach Thema, Betroffenheitsgrad und aktueller Verfassung kann die Art des Zuhörens während des Gesprächs variieren:

I. Pseudozuhören

 

… haben wir bereits im Vorspann angetippt – ich bin nur wenig involviert und beschäftige mich parallel mit meinen eigenen Gedanken oder warte ungeduldig darauf, selbst das Wort ergreifen zu können. Im Stillen denke ich: „Das reicht mir an Info, ich weiß, was du meinst, jetzt bin mal dran mit Reden.” Begleitet wird das Pseudozuhören mit zustimmendem Kopfnicken, leichtem Vorbeugen und Luftholen, kombiniert mit der Floskel: „Ich verstehe, was du meinst…” Zum gegebenen Zeitpunkt übernehme ich das Gespräch und erläutere meine Sicht auf das Gesagte.

Ich nehme keinen Bezug auf die Situation des anderen und gebe auch keine Bestätigung, dass ich seine Gedanken nachvollziehen kann.

II. Aufnehmendes Zuhören

 

… ist die nächste Stufe, die die Bezeichnung „Zuhören” erst verdient. Beim aufnehmenden Zuhören widme ich meine Aufmerksamkeit voll und ganz meinem Gegenüber. Das signalisiere ich durch kontinuierlichen Blickkontakt und Kopfnicken, was gleichbedeutend ist mit „Das, was du sagst ist bei mir angekommen.” Dabei zeigt auch meine Körpersprache (Mimik und Gestik), wie ich zu dem Gesagten stehe. Aufnehmendes Zuhören kann auch als „teilnahmsvolles Schweigen” beschrieben werden: Ich halte meinen Mund und lasse den anderen ausreden. Ich falle ihm nicht ins Wort und komme nicht zwischendurch mit eigenen Erfahrungen, die ich in einer ähnlichen Situation erlebt habe. Ich höre einfach nur zu.

Die große Kunst beim aufnehmenden Zuhören besteht darin, zu beobachten und nicht etwa ins Gedankenlesen zu verfallen – also zu interpretieren, zu bewerten oder gar zu verurteilen.

III. Umschreibendes Zuhören

 

Indem ich das Gehörte mit eigenen Worten wiederhole, fördere ich das Gespräch. Ich zeige damit, dass ich nicht nur zugehört habe, sondern dass ich die wesentlichen Aussagen des anderen verstanden habe. Auch hier besteht die Herausforderung darin, sich zunächst mit einer eigenen Meinung, Bewertung oder gut gemeinten Ratschlägen zurückzuhalten. Ziel des umschreibenden Zuhörens ist das Verstehen der Ansichten meines Gesprächspartners.

Indem ich das Gehörte mit eigenen Worten wiederhole, fördere ich das Gespräch und gebe zu erkennen, dass ich bereit bin, weiterhin über das Thema zu sprechen.

IV. Empathisches Zuhören

 

Die höchste Stufe des Zuhörens besteht darin, nicht nur den Inhalt des Gesagten aufzunehmen, sondern zugleich ein Gefühl dafür zu entwickeln, was den anderen emotional bewegt, was ihm besonders wichtig ist, wie ihm in der Situation zumute ist. Anders als beim umschreibenden Zuhören gebe ich die Aussage nicht vollständig wieder, sondern fasse in Worte, was gefühlsmäßig bei mir angekommen ist. Damit mache ich deutlich, dass ich bemüht bin, mich ganz auf den anderen einzustellen. Erst dadurch entsteht ein Klima der Verbundenheit und des Vertrauens.

Die wichtigste Fähigkeit besteht für den empathischen Zuhörer darin, die Gefühle des Gesprächspartners zu erkennen und zu würdigen.