Wen spielst Du gerade?

Wie wir in unterschiedlichen Rollen Gespräche führen

Im Smalltalk wird die Konstellation ausgelotet: Wer führt das Gespräch, wer folgt? Wir fühlen uns wohl, wenn wir auf Augenhöhe - das heißt authentisch, im Vertrauen, mit Respekt und gegenseitiger Wertschätzung kommunizieren. Das funktioniert leider nicht immer.

„Augenhöhe” ist nicht die Regel

 

Im Berufsalltag gibt es unterschiedliche Aufgabenverteilungen und Verantwortungsbereiche, aus denen Hierarchien und Weisungsbefugnisse ergeben. Einer steht über dem anderen.

Auch in privaten Beziehungen schleichen sich Abhängigkeiten ein, bei der sich die Liebenden an die individuellen Bedürfnisse der oder des Geliebten anpassen.

Selbst unter Freunden und Bekannten wird gern eine temporäre Rangordnung ausgehandelt. Das geht vergleichsweise schmerzlos, denn die Frage, wer am besten Rommee spielt oder die meisten Bücher gelesen hat, kratzt meist nicht so sehr am eigenen Ego.

Wie Rollen und Hierarchien verteilt sind, entscheiden natürlich auch die Persönlichkeitsprofile der Beteiligten:

  • Willensstarke Kämpfer treffen auf friedvolle Vermittler
  • gewissenhafte Perfektionisten bekommen es mit dynamischen Erfolgsmenschen zu tun
  • loyale Skeptiker werden mit lebensfrohen Optimisten konfrontiert

Wer auch immer mit wem zu tun hat - hinter jedem Verhalten steht der meist dringende Wunsch, sich die persönlichen, oft unbewussten Bedürfnisse zu erfüllen.

Von Gleichberechtigung und wirklicher Augenhöhe können wir also in den meisten Fällen erstmal nicht ausgehen. Unabhängig von unserer Stellung im alltäglichen „Machtgefälle”, ist eine weitere Rollenverteilung sehr interessant, die im Modell der Transaktionsanalyse beschrieben wird.

Wie bekommt dir mein Ich-Zustand?

Die Transaktionsanalyse beschreibt Verhalten in drei unterschiedlichen Ich-Zuständen

Das Modell der Transaktionsanalyse beschreibt situationsabhängiges Verhalten der Gesprächspartner, bei dem sie sich in unterschiedliche Ich-Zustände begeben. Die Transaktionsanalyse unterscheidet dabei zwischen Kind-Ich, Eltern-Ich und Erwachsenen-Ich. Diese drei Zustände stellen eine Kombination aus Gedanken, Gefühlen und Verhalten dar und beeinflussen unser Kommunikationsverhalten sowohl beim inneren Monolog, als auch im Gespräch mit anderen.

Die Kind-Rollenspieler

 

Das Kind-Ich fächert sich in der Transaktionsanalyse in drei Zustände auf, die sich aus der Entwicklung

  • vom unbefangenen, affektgesteuerten Neugeborenen (spontanes Kind-Ich)
  • zum behüteten, umsorgten Kleinkind (angepasstes-Kind-Ich)
  • bis hin zum reglementierten und daraufhin rebellierenden Individuum (trotziges Kind-Ich)

ergeben.

Im spontanen Kind-Ich gehen wir unbefangen in die Situation, ohne die Konsequenzen unseres Handelns zu bedenken. Ins angepasste Kind-Ich wird oft geschlüpft, indem wir uns künstlich klein machen und Verständnis oder Unterstützung erbitten, die uns eigentlich nicht zustehen. Im trotzigen Kind-Ich-Modus widersetzen wir uns vorgegebenen Regeln und betonen unsere Autonomie. Unser grundlegendes Bedürfnis ist, dass wir uns von jeglichem Reglement und jeder Bevormundung distanzieren und unsere natürliche Naivität ausleben.

Die Eltern-Rollenspieler

 

Im Lauf der kindlichen Entwicklung bildet sich das Eltern-Ich heraus. Das Kleinkind übernimmt die elterlichen Werte, Normen und Regeln ins eigene Repertoire.

Die bevormundende, reglementierende Seite elterlicher Erziehung wird dabei zum kritischen Eltern-Ich, die zärtlich-behütende Seite zum helfenden Eltern-Ich.

Die Vorgaben der Eltern gehen irgendwann in „Fleisch und Blut” über und werden fortan als eigene Normen und Werte betrachtet, die uns ein Leben lang begleiten.

Sowohl kritische als auch das helfende Eltern-Ich erfreut sich besonderer Beliebtheit, denn in dieser Rolle demonstrieren wir Überlegenheit und Kompetenz. Unser grundlegendes Bedürfnis ist, dass wir unsere Autonomie, unsere Empathie und unser Verantwortungsbewusstsein effektvoll in Szene setzen.

Die Erwachsenen-Rollenspieler

 

Neben die kindliche und elterliche Stimme tritt im Laufe der Entwicklung eine weitere Stimme: die des Erwachsenen-Ich.

Wir haben inzwischen etwas eigenes auf verschiedenen Lebensgebieten etabliert - haben eigene Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen gemacht, haben eine seelische Eigenart, einen eigenen Geschmack, eine eigene Meinung, eine eigene Lebensphilosophie entwickelt.

Das Erwachsenen-Ich prüft die Folgen von Verhalten zweckrational, indem es abschätzt, welche Konsequenzen sich daraus ergeben würden.

 

Das Erwachsenen-Ich kommuniziert auf Augenhöhe. Wir zeigen uns selbstbewusst mit unseren Stärken und stehen zu unseren Schwächen. Wir diskutieren offen und ehrlich das Für und Wider anstehender Entscheidungen. Unser grundlegendes Bedürfnis ist, dass wir unsere Persönlichkeit, befreit von allen niederpoligen, dysfunktionalen Glaubenssätzen, authentisch zeigen.